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Meerschweinchen

HALTUNG VON MEERSCHWEINCHEN

Herkunft:

Wildmeerschweinchen kommen ursprünglich aus den südamerikanischen Anden. Schon lange bevor sie zu uns kamen, hielten die Indios sie als Haustiere, denn die Meerschweinchen waren eine willkommene Abwechslung auf ihrem Speiseplan. Nach der Entdeckung Amerikas gelangten sie im Gepäck der Seefahrer nach Europa, wo sie sehr schnell zum beliebten Heimtier wurden. Durch jahrhundertlange Zucht entstanden unzählige Rassen verschiedener Farben und Fellbeschaffenheit.

 

Ernährung:

Meerschweinchen haben ihre Ernährung der kargen Kost des Hochgebirges angepasst. Somit ist die Grundnahrung gutes Heu, daneben fressen sie frisches Grünfutter, Gemüse (besonders beliebt sind Salatgurken und Möhren) und Obst. Im Handel gibt es Fertigfuttermischungen für Meerschweinchen (trotz Futteranweisung des Herstellers, aber bitte nur 1 Teelöffel pro Tier und Tag, mehr macht nur dick). Frisches Trinkwasser muss jederzeit verfügbar sein. Nagematerial im Form von z.B. Obstbaum- oder Haselnusszweigen anbieten.

 

Heimtierhaltung:

Meerschweinchen werden oft angepriesen als unkomplizierte, pflegeleichte, lebendige Kuscheltiere für Kinder, beißen angeblich nie und fühlen sich wohl in der kleinsten Hütte. Seien Sie versichert, dass dem nicht so ist!

An erster Stelle im Meerschweinchen-Leben steht das Sozialleben der Tiere, die von Natur aus sehr gesellig sind. Ihre Kontakte werden begleitet von vielerlei Lautäußerungen wie Quieken in den verschiedensten Variationen, Zähneklappern und vielem mehr. Ihre Körpersprache reicht von freundlichem Anstupsen bis hin zu drohendem "groß machen" und beieindruckend Hin- und Herwackeln.

 

Wer einmal eine ganze Meerschweinchen-Sippe länger beobachtet hat weiß, wie langweilig das Leben eines einzeln gehaltenen Meerschweinchens sein muss. Ganz egal, wie viel ein Mensch sich um so ein Tier kümmert, er wird ihm nie einen (oder mehrere) Artgenossen ersetzen können. Das bedeutet für Sie, dass Sie niemals weniger als zwei Meerschweinchen in Ihrer Obhut haben werden, wenn hinter der Motivation für Ihre Tierhaltung ein wenig Tierliebe steckt.

 

In Bezug auf die Frage "Wer mit Wem" gilt es einiges zu beachten: Gleichgeschlechtliche Tiere, die miteinander aufwachsen, vertragen sich in der Regel gut miteinander. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, gilt dies auch für männliche, kastrierte Tiere (man darf natürlich nicht verlangen, dass sie sich immer noch vertragen, wenn man ein Weibchen dazu setzt!). Wenn Sie ein Pärchen (oder mehrere) zusammen halten wollen, lassen sie unbedingt die männlichen Tiere kastrieren, sonst wird aus zwei Meerschweinchen innerhalb eines Jahres ein unüberschaubares Durcheinander von einigen Dutzend Meerschweinchen. Fremde erwachsene Tiere miteinander zu vergesellschaften ist nur problematisch, wenn es sich um zwei Männchen handelt (egal ob kastriert oder nicht).

 

Die "einfache Lösung", einem Meerschweinchen ein Kaninchen als Gefährten anzubieten, ist weder für ein Meerschweinchen noch für ein Kaninchen eine glückliche Lösung. Da sich die beiden Tierarten in Verhalten und Körpersprache vollkommen unterscheiden, hat so ein gemischtes Pärchen in der Regel nichts voneinander. Im schlimmsten Fall endet diese Partnerschaft in einer Beißerei, die vom Kaninchen ausgeht und beim Meerschweinchen üble Verletzungen hervorruft. Sie müssen sich also im Interesse der Tiere entscheiden, entweder für zwei Meerschweinchen oder zwei Kaninchen. 

 

Ideal ist grundsätzlich die Haltung eines Pärchens mit einem Kastraten und einem Weibchen oder eine Haremsgruppe (wie es bei Wildmeerschweinchen in der Natur ist), also ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen.

 

Eine ganz wichtige Frage ist:

Wo sollen die Meerschweinchen leben? Die handelsüblichen Meerschweinchenkäfige sind in der Regel viel zu klein, so dass sie sich schon genau umschauen müssen, um etwas Akzeptables zu finden. Natürlich können Sie auch auf "Marke Eigenbau" zurückgreifen, was Ihren Meerschweinchen sicherlich gefallen wird. Für zwei bis drei Tiere sollte die Käfiggröße 150cm x 75 cm nicht unterschreiten. Falls Sie das Ihren Tieren nicht bieten können oder wollen, sollten Sie in deren Interesse auf eine Haltung verzichten. Ausgestattet sein muss der Käfig mit Schlafhäuschen, Röhren und sonstigen Gegenständen (z.B. Steine und Wurzeln), die zum verstecken, drüber springen, drum herumlaufen oder drauf sitzen einladen.

Ihre Meerschweinchen sind froh über jede Abwechslung, und das nicht nur innerhalb des Käfigs. Deshalb müssen Sie Ihre Tiere täglich aus ihrem doch stark eingeschränkten Lebensraum herauslassen und Ihre Wohnung erkunden lassen. Doch Vorsicht: auch hier bleiben Meerschweinchen Nagetiere, d.h. sie werden das ein oder andere Möbelstück mit ihren Zähnen "verzieren" oder die beste Literatur in Konfetti verwandeln. Abgesehen davon müssen Sie mögliche Gefahrenquellen wie Stromkabel oder giftige Zimmerpflanzen aus der Reichweite der Tiere entfernen um Unfällen vorzubeugen. Mit einem weiteren Problem müssen Sie so gut es geht leben: Meerschweinchen werden leider nicht (oder nur selten) stubenrein.

Im Sommer können Sie ihnen sogar in ihrem Garten ein Freigehege errichten, wo die Tiere "Natur pur" erleben können. Dabei müssen Sie natürlich unbedingt darauf achten, dass keine Raubtiere (Katzen, Vögel etc.) in das Gehege eindringen können. Eine ganzjährige Außenhaltung ist für Meerschweinchen übrigens keinesfalls empfehlenswert, da kalte und feuchte Witterung der Gesundheit der Tiere sehr abträglich ist und sie, anders als Kaninchen, kein schützendes Winterfell entwickelt.

Ganzjährige Außenhaltung ist wirklich nur möglich und gut für die Tiere, wenn das Gehege vor Niederschlag (Schnee und Regen) geschützt ist und der Stall trocken und, ganz wichtig, beheizt ist. (Bitte keine Rotlichtlampen benutzen! Es gibt spezielle Lampen für Hühnerställe, die ausreichend wärmen, wobei aber keine Brandgefahr entstehen kann).

 

Krankheiten:

Die meisten Krankheiten entstehen durch unsachgemäße Haltung und Ernährung. So führen Zugluft und Kälte oft zu schlimmen Erkältungskrankheiten, die unbedingt durch einen Tierarzt behandelt werden müssen.

Bei unsauberer Haltung tritt oft Befall mit Parasiten wie Milben, Haarlingen und Würmern auf, falsches oder verdorbenes Futter verursacht schnell Durchfall.

Schon Stürze aus geringer Höhe können Knochenbrüche verursachen; Knochenbrüche sind auch oft das Ergebnis von zu festem Zupacken!

Die Vermutung, dass Meerschweinchen wegen ihres Namens etwas mit "Meer" zu tun haben und deswegen schwimmen können, ist falsch. Meerschweinchen mögen Wasser wirklich nur zum trinken! Deswegen: bewahren Sie Ihre Kinder vor diesbezüglichen Experimenten!

Um Zahnfehlstellungen vorzubeugen (Meerschweinchenzähne wachsen permantent nach), muss unbedingt immer Nagematerial zur Abnutzung zur Verfügung stehen.

 

Besonderheiten:

Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere für Kinder. Trotz ihres robusten Aussehens sind sie sehr "zerbrechlich", und ein Kind, welches sein Meerschweinchen vor lauter Liebe ganz fest drückt, kann dem Tier damit schwerste Verletzungen zufügen.

Kuscheln, gegenseitiges Ablecken oder stundenlang ganz nah aneinander liegen und schmusen existieren im Meerschweinchen-Verhalten nicht. Deshalb sollten wir mit unseren Streicheleinheiten für die Meerschweinchen etwas zurückhaltend sein und ihnen unsere Liebe besser zeigen durch eine artgerechte Haltung in unserer Obhut - wo sie einfach Meerschweinchen sein dürfen und nicht als lebendiges Spielzeug herhalten müssen.

 




 
   

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